Woche 8: Zwei Monate im Kloster

Herzlich willkommen zurück zu meinem Blog,

seit ich meine Heimat verlassen und mich von allen verabschiedet habe, sind mittlerweile acht Wochen vergangen. Ich weiß noch, wie ich in den Wochen vor meiner Abreise ganz aufgeregt war und ich nach lauter Vorfreude und Spannung in Einsiedeln angekommen war und erstmal einige Zeit brauchte, bis ich realisierte, dass ich jetzt erstmal fort bin, einige Zeit woanders leben werde und ein ganz anderes Leben führen werde. Es wird den meisten so ergehen vor großen, lebenseinschneidenden Entscheidungen, dieses Gefühl der Unsicherheit, wenn man ins Ungewisse aufbricht, die Komfortzone verlässt und ein neuer Abschnitt im Leben beginnt.

Am Freitag wurde ich von einer Dame gefragt, ob ich nicht schockiert sei von dieser Lebenswelt, in Anbetracht meines Hintergrunds, den sie von Pater Franz etwas erklärt bekommen hatte. Einen großen und wichtigen Teil meines Lebens bin ich in einem Umfeld aufgewachsen, das mehrheitlich muslimisch geprägt war, und so wurde ich auch mehr vom Islam geprägt als vom christlichen Glauben. Dazu kam noch ein evangelischer Religionsunterricht, der zumindest bis zur 10. Klasse eher substanzlos war und vom Christentum kaum etwas vermittelte. Dadurch war mir der christliche Glaube fast schon fremd, jenseits des Oster- und Weihnachtsfests, das auch eher aus traditionellen und familiären Gründen gefeiert wurde als aus dem Glauben heraus. Ja, für jemanden, der so sozialisiert wurde, hat diese Lebenswelt vielleicht nicht unbedingt etwas Schockierendes, aber eindeutig etwas Unbekanntes. Aber wenn man sich darauf einlässt, offen ist und Freude an seinem Glauben hat, dieses Unbekannte und Neue willig annimmt, ständig dazulernen möchte und den Glauben, der im bisherigen Leben gefehlt hat, nun endlich zu sich ergänzen kann, dann wird daraus für mich ein großes Glück und resultierende Zufriedenheit.

Zum eben erwähnten Freitag: Ein Großteil der Klostergemeinschaft fuhr um 17:30 Uhr los nach Heiligenleithen. Dort beteten wir gemeinsam die Vesper. Was ich nicht erwartet habe, war, dass sich in der Kirche eine kleine Seitenkapelle mit der Schwarzen Madonna von Einsiedeln finden ließ. Ich fühlte mich direkt zurückversetzt in das Kloster Einsiedeln, wo vor acht Wochen alles angefangen hat. Auch dachten wir uns, wie wunderbar es ist, dass ein kleiner Teil von Einsiedeln sich auch hier bei uns finden lässt.




Von dort begaben wir uns nach der Vesper auf eine Gebetswanderung für geistliche Berufungen nach Pettenbach. Für die Gebetswanderung durfte ich Kreuzträger sein und ein Kreuz mit der Schwarzen Madonna von Einsiedeln tragen. Ich empfand diese mir zukommende Aufgabe als sehr besonders, und es freute mich. Auf dem etwa 45-minütigen Weg dorthin beteten wir den Großteil gemeinsam in der Gruppe den lichtreichen Rosenkranz.



In der Kirche in Pettenbach angekommen, feierten wir noch zusammen die Heilige Messe, danach ging es noch ins Pfarrheim mit großem Buffet, wo wir gemeinsam den restlichen Abend verbrachten.




Die sonstigen Tage waren ruhig und eher still, auch die Arbeit fiel diese Woche sehr gering aus. Hauptsächlich Gartenarbeit, unter anderem in der Infirmerie mit Pater Jakobus und Duc-An. Dort sammelten wir Rosenschnitt zusammen und pflanzten Himbeerstauden ein. Zuhause habe ich Gartenarbeit nie gemocht und eher als nervend empfunden, aber schon in Einsiedeln habe ich angefangen, Gefallen daran zu finden. Es hat irgendwie etwas ganz Grundsätzliches und Archetypisches, etwas, das mich an die Vorstellung des Gartens Eden und einer ursprünglichen göttlichen Ordnung erinnert.



An einem anderen Tag half ich noch dem Prior, alte Bücher entweder zu entsorgen oder für einen Flohmarkt wegzulagern. Dabei fiel mir noch ein Buch in die Hände, das ich behalten durfte, und zusätzlich fand ich in einer Abstellkammer einen Teppich für meine Gebetsecke in meinem Zimmer, die ich vor längerem eingerichtet habe und der mir noch gefehlt hatte. Damit hatte sich das ziemlich für mich rentiert.

Meine zwei Unterrichtsstunden pro Woche werden seit dieser Woche noch zusätzlich ergänzt durch knapp eine Stunde, in der ich zusammen mit Pater Christian über die Bibel sprechen kann, da ich mir so etwas zusätzlich zu meinem Unterricht gewünscht hatte, um die Bibel nicht nur zu lesen, sondern auch zu durchdringen und zu verstehen.

Zum Abschluss der Woche ging ich am Sonntagnachmittag noch spazieren und genoss die Sonne.







Vielen Dank fürs Lesen,

-Leon J. Meier

Kommentare

  1. Sehr schön nicht nur zu erfahren was Du erlebst, sondern auch zu erfahren woher Du kommst und was Dich bisher geprägt hat! Viele Grüße ins Kloster!

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