Woche 2: Ankommen im Kloster Kremsmünster

Griaß Gott aus Oberösterreich und herzlich willkommen zurück auf meinem Blog,

ich wollte diesen Eintrag eigentlich schon am Wochenende geschrieben und veröffentlicht haben, allerdings war recht viel los, wodurch ich kaum Zeit und Ruhe zum schreiben fand, aber dazu später mehr. 


Also, letzten Montag war es dann schon wieder so weit, und ich verließ das Kloster Einsiedeln, welches mir nach meinem neuntägigen Aufenthalt doch ziemlich ans Herz gewachsen war. Nach herzlichen Verabschiedungen von den Mönchen begleitete mich Samuele noch zum Bahnhof von Einsiedeln, wo wir uns verabschiedeten, uns eine gute Zeit wünschten und uns gegenseitig einen Extrasegen mit auf den Weg gaben. 
Nach einer siebenstündigen Fahrt kam ich endlich und sogut wie pünktlich in Linz an, was mit der DB wahrscheinlich anders ausgesehen hätte. Dort holte mich netterweise Pater Anselm ab, und nach einer kurzen Autofahrt kamen wir schließlich gegen 20.00 Uhr am Kloster Kremsmünster an. 


Ich würde jetzt meinen ersten Eindruck schildern, allerdings konnte ich das Kloster und einige Mönche bereits im Dezember letzten Jahres kennenlernen und etwa drei Tage hier verbringen. Dadurch war es natürlich auch nicht ganz ungewiss, was hier auf mich warten würde, und Pater Anselm kenne ich schon, zumindest übers Schreiben und Telefonieren seit Juni 2025 und persönlich, seit ich hier war im Dezember 2025. 
Um einen zweiten Eindruck zu versuchen: Ich kann so viel sagen, dass es hier kleiner und ruhiger zu geht als in Einsiedeln. Die Stiftkirche wird seit Längerem renoviert, daher sah ich sie noch nicht in voller Pracht aber sie ist dennoch sehr schön. Das Kloster ist, finde ich, eigentlich recht überschaubar und sehr schön. Die Gemeinschaft ist sehr freundlich und die Tage hier machen Spaß. Ich fühle mich hier wohl und gut aufgehoben, es war auf jeden Fall eine gute Entscheidung, hier her kommen zu wollen.
Im Vergleich zum Kloster Einsiedeln ist die Strukturierung des Tages ein wenig anders hier.
Der Tag beginnt hier eine Stunde früher, sprich um 6.00 Uhr Laudes. Um 5.55 Uhr wird eine kleine Glocke vor dem Kapitelzimmer (dem Zimmer, in dem vier der täglichen Gebete stattfinden) geläutet und ruft zum Gebet. Direkt im Anschluss findet um 6.30 Uhr die Konventmesse in der Michaelskapelle statt. Danach kann man, wer möchte, ins Oratorium gehen fürs persönliche Gebet und Nachdenken, was meist etwa eine halbe Stunde bis 7.30 Uhr geht. Danach beziehungsweise ab 6.30 Uhr ist Frühstück. Um 12.00 Uhr ist Mittagschore auch im Kapitelzimmer mit anschließendem Mittagessen. Um 18.00 Uhr ist Vesper in der Stiftskirche und Abendessen, um 19.00 ist Komplet und Virgil und der Tag endet dort, wo er begonnen hat, im Kapitelzimmer. Der Tag endet also grob um 20.00 Uhr. 


So viel dazu, zurück zur Erzählung: Man kann sich vorstellen, dass an dem Abend meiner Ankunft nicht mehr viel passiert ist. Pater Anselm und ich aßen noch etwas, und Abt Bernhard hieß mich noch willkommen, bevor ich mich grob in meinem Zimmer einrichtete und letztlich schlafen legte. Pater Anselm bot mir an, ob ich am nächsten Morgen erst einmal etwas länger schlafen möchte, statt um 6:00 Uhr bei der Laudes dabei zu sein, was ich dankend annahm, da die Fahrt und das mehrfache Umsteigen mit dem Gepäck doch recht anstrengend waren und ich in der Bahn kaum Ruhe zum Schlafen fand. Die Tage grob zusammengefasst liefen etwa so ab: Am Dienstag war dann direkt hoher Besuch im Kloster, so kamen 11 weitere Äbte, womit 12 der 16 österreichischen Äbte anwesend waren. Am Anfang der Woche führte mich Pater Anselm durch das Kloster und über das Gelände und zeigte mir einen Großteil des Klosters. Dabei erzählte er mir einige wissenswerte Sachen über das Kloster, die Gemeinschaft und die Historie des Ortes. Wir kümmerten uns dann noch um ein paar Formalien, und er erklärte mir einen groben Plan, wie er sich vorstelle, wie meine Arbeit hier aussehen würde beziehungsweise könnte. Es gibt hier auf jeden Fall viel zu tun, und meistens wird es sich danach richten, was gerade anfällt, zum Beispiel jetzt im Frühling der Garten und die Gärtnerei, aufräumen und wieder herrichten, was ich die letzten Tage vormittags machte und dabei half. Ich lernte dann noch die beiden jungen Männer Theodor und Duc-An kennen, beide so alt wie ich selbst. Die zwei schauen, ob sie in das Kloster eintreten möchten und ob sie sich das monastische Leben vorstellen können. Ich finde es bewundernswert, dass junge Menschen in meinem Alter sich so einen lebenslangen Weg vorstellen können und möglicherweise dazu bereit wären, diesen einzuschlagen. Die Nachmittage waren meist dann von etwa 13:30 bis 18:00 Uhr nach dem Mittagessen frei. Manchmal gab es nach dem Essen noch Kaffee und Kuchen, oder man setzte sich in der Rekreation zusammen und unterhielt sich bei einer Tasse Kaffee. Ansonsten nutzte ich die Zeit, um mein Zimmer weiter einzurichten und auszupacken, zum Spazieren und Erkunden der Marktgemeinde und ein paar Dinge zu erledigen oder zum Joggen, was durch das Auf und Ab des österreichischen Terrains erschwert wird, wenn man sonst das flache Land von Mittelhessen gewöhnt ist. Die nächsten Tage komme ich dann hoffentlich auch noch zum Lesen. 

Zu der Arbeit werden auch zweimal wöchentliche Unterrichtsstunden dazukommen, zum einen, um Duc-An vorzubereiten für das Leben hier und zum anderen, um mich auf meine Taufe vorzubereiten. Im letzten Eintrag erklärte ich ja bereits grob meinen Background, was ich allerdings ausließ, ist, das ich nie getauft wurde. Als ich, wie erwähnt im Dezember hier war, bot mir Pater Anselm an, sofern ich es wollen würde, dass ich mich in meiner Zeit hier taufen lassen könne. Den Vorschlag den ich sowieso erfragen wollte nahm ich sofort freudig an und jetzt müssen noch unter anderem die Formalitäten und der Rahmen geklärt werden.
Ich finde es mittlerweile eigentlich ganz schön das ich nie getauft wurde. So habe ich jetzt die Möglichkeit mich aktiv und frei dazu und zu Gott zu bekennen und diesen Weg bewusst zu gehen, statt ihn für mich entschieden zu bekommen. 


Am Wochenende dann, war ganz schön viel los. Am Freitagabend begleitete ich Pater Anselm in die Nachbargemeinde Steinerkirchen, dort in der Kirche eines Benediktinerinnenklosters hielt er die Abendmesse. Es war ein schöner kleiner Ausflug, die Nonnen waren sehr herzlich.
Was mir von dem Abend sehr im Gedächtnis blieb und ich sehr schön fand, war, dass mich als ich in der Kirche Platz nahm und wartete, bis die Messe begann, eine Nonne aufgrund meines Rosenkranzes ansprach, den ich aktuell meistens um meinen Hals trage. Sie fand das sehr schön, dass ich ihn aus meinem Glauben und meiner Überzeugung heraus trage und schenkte mir ein kleines Heftchen " Eine Kreuzwegandacht". Nach der Messe gingen Pater Anselm und ich noch etwas essen in einem kleinen Lokal nebenan, wo wir den Abend dann bei einem gemeinsamen Essen enden ließen. 
Am nächsten Nachmittag trudelten dann nach und nach immer mehr Gruppen von Firmlingen bei uns im Kloster ein, bis um 16.30 dann die "Spirinight" für über 400 Firmlinge aus der Region begann mit Workshops und Führungen durch das Kloster. Den großteil des Abends begleitete ich Pater Anselm bei seinen zwei Führungen, wo ich auch noch ein paar neue Informationen mitnehmen konnte. 


Später, nach der Liturgie und dem Ende der Veranstaltung, half ich noch Theo dabei ein paar Dinge wegzuräumen. Danach saßen wir und ein paar Leute vom "Treffpunkt Benedikt", die ich an dem Tag kennengelernt habe, zusammen und wir ließen den Abend entspannt ausklingen. 
Der Treffpunkt Benedikt wird im Verlauf meiner Blogeinträge wahrscheinlich noch öfters erwähnt werden: Jeden Monat kommen junge Menschen im Stift Kremsmünster zusammen, um gemeinsam den Glauben auszuleben, mit Programm in der Gemeinschaft. 
Am Sonntagabend war dann der vom Treffpunkt Benedikt veranstaltete "TB Sunday" mit Bibel-Study in einer kleinen Runde mit Pater Christian, der die Leitung übernahm. Anschließend war Messe in der Michaelskapelle, wo wir die zuvor behandelte Bibelstelle
Joh 9,1-41 mit abwechselnden Rollen vorlasen und darstellten. 
Nach der Messe war die Gruppe noch im Stiftschank, um etwas zu essen und zu reden. Ich lernte an diesen zwei Tagen einige herzliche und tolle Leute kennen, die ungefähr meiner Altersgruppe sind. 

Zum Schlusswort noch etwas zum örtlichen Dialekt: Ich muss dabei zugeben, dass ich den Dialekt hier in Oberösterreich etwas unterschätzt habe, bevor ich hierher kam. Es hat sich zwar bereits verbessert und die meisten geben sich Mühe, Bundesdeutsch bzw. Hochdeutsch mit mir zu reden, aber wenn durcheinander oder schneller geredet wird oder am schlimmsten beides gleichzeitig, kann ich meistens schlecht Schritt halten und schaue mein Gegenüber fragend an. Aber Theo oder Pater Anselm helfen mir meistens und übersetzen das Gesagte in für mich verständlicheres Deutsch oder bringen mir neue Vokabeln bei, von denen ich täglich soviele lerne, dass ich mir ein Vokabelheft zulegen sollte. 

Vielen Dank fürs Lesen und ich hoffe es war wieder mal Interessant. 

-Leon J. Meier




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