Woche 3: Zwischen Alltag, Abschied und Gemeinschaft
Herzlich willkommen zurück auf meinem Blog,
seit meiner Ankunft hier in Kremsmünster sind mittlerweile zwei Wochen vergangen, und ich habe mich eigentlich vollständig eingelebt und eingewöhnt. Die Tage und Abläufe werden „unaufregender“, alltäglicher und routinierter und damit zur Gewohnheit. Jedes Gebet und jede Teilnahme an der Liturgie ist immer noch etwas Besonderes und Erfüllendes; durch Wiederholung und Üblichkeit wird es jedoch zu etwas ganz Normalem, und es nicht zu tun wirkt für mich falsch und ungewohnt.In jedem Aspekt des Tages steht Gott und unsere Beziehung zu ihm im Zentrum. Alles wird hier Teil eines heiligen und gottesandächtigen Alltags. Der Glaube hat hier keinen kleinen, separaten Platz – nein. Er ist mit dem ganzen Tag verwoben, er durchdringt alles. Wie viel Zeit nimmt sich eigentlich ein regulärer Mensch im Alltag für seinen Glauben und für Gott? Ich nehme an, die meisten recht wenig, wovon ich mich selbst nicht ausschließen will. Es kommt mir so vor, und so erlebe ich es bei mir und anderen, dass da draußen im „normalen“ Leben der Glaube oft an zweite Stelle gesetzt wird und im Alltag eigentlich keine Rolle einnimmt oder Erwähnung findet. Er gerät in Vergessenheit und wird herangezogen, wenn es gerade passt, aber das Handeln und das Leben richten die wenigsten wirklich von ganzem Herzen danach aus. Kaum nimmt man sich Zeit, kaum sucht man Ruhe, um Gott in seinen Alltag einzubinden und seinen Glauben täglich zu leben.
Hier aber geschieht jeder Tag für und durch Gott, selbst beim Joggen am Sonntag mit Abt Bernhard, Pater Anselm, Theo, Duc-An und mir. Dann wird zum Anhalten gerufen, und wir kommen vor einer kleinen Kapelle am Waldesrand zum Stehen. Es wird Zeit geschaffen, um zu beten, Gott zu danken und kurz einzukehren. Durch eben diese kleinen Dinge, die vielleicht auf viele banal wirken, wird Gott und seine Präsenz in den Alltag gebracht und spürbar gemacht.
„Damit in allem Gott verherrlicht werde.“ - Regel des Hl. Benedikt 57,9
Zur Woche, die vor allem vor dem Wochenende eher ruhig zuging:
Am Anfang der Woche konnte ich Pater Christian in die Nachbargemeinde Sattledt begleiten, und ich durfte ihn hin- und zurückfahren. Dort hielt er zuerst die Abendmesse und anschließend noch einen Vortrag über das Evangelium nach Matthäus und verglich dieses mit den anderen zwei synoptischen Evangelien nach Lukas und Markus. Er ging unter anderem darauf ein, wer der ursprüngliche beziehungsweise erste Verfasser war, wem was als Quelle gedient hat und worin sich die Texte unterscheiden. Es war sehr interessant und beleuchtete auch ein wenig, wie die Bibel zustande kam.Die restliche Woche verlief dann relativ ruhig, und es gibt nichts sonderlich Erwähnenswertes bis zum Freitag. Am Morgen, als alle zum Gebet im Kapitelzimmer zusammengekommen waren, wurde uns von Prior Maximilian mitgeteilt, dass Pater Gotthard, der sich schon länger im Krankenhaus befand, in den frühen Morgenstunden leider verstorben sei. Am kommenden Samstag findet die Beerdigung statt.
Am Samstag, am Hochfest des heiligen Benedikt, war dann volles Haus. Etwa 60 Gäste wurden zu einem Aperitif im Wintersaal und zum gemeinsamen Essen eingeladen. Theo, Duc-An und ich halfen dabei, den Gästen Getränke auszuschenken und mit Tabletts voller Gläser durch die Menge zu gehen. Danach folgte das gemeinsame Essen sowie die Verabschiedung von Schwester Lydia, zu der einige Schwestern aus ihrem Mutterkloster in Steinerkirchen zu Gast waren. Schwester Lydia geht nun zurück in dieses Benediktinerinnenkloster, nachdem sie hier 52 Jahre als Sekretärin des Abtes gearbeitet und eine wichtige Rolle gespielt hat. Leider hatte ich in meiner kurzen Zeit nicht viel mit ihr zu tun, allerdings habe ich mich immer gefreut, sie zu sehen. Sie schien eine sehr liebenswerte Dame zu sein.
Am späten Nachmittag half ich dann dabei, den vom Treffpunkt Benedikt genutzten Raum, das sogenannte Bennoleum, zu putzen und wieder zu möblieren, nachdem der Raum wegen eines Rohrbruchs vor einigen Wochen geräumt worden war und ein neuer Boden verlegt wurde.
Sonntag, zum Abschluss der Woche, war dann wie eingangs erwähnt das gemeinsame Joggen.
Vielen Dank fürs Lesen,
-Leon J. Meier
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